Sonntag, 8. April 2012

Was sich küsst, das liebt sich - Sarra Manning

Verlieben war nicht abgemacht
Neve ist ziemlich klug. Allerdings ist sie auch schüchtern, pummelig und mit 25 nicht gerade erfahren in Liebesdingen. Daran sollte sie dringend mal etwas ändern, findet ihre Schwester Celia. Was Neve braucht, ist ein Versuchskaninchen. Wie zum Beispiel Max, Celias Kollege mit einschlägigem Ruf. Max ist cool, oberflächlich, sexy und lässt nichts anbrennen. Von ihm könnte Neve einiges lernen, und da er nicht ihr Typ ist, wird sie sich sicher nicht in ihn verlieben. Es geht ja nur darum, ein bisschen zu üben. Oder?

Meine Meinung:
Ja dieses Buch ist nicht das was es auf den ersten Blick scheint. Hinter einer süßen Story mit viel Humor verbirgt sich eine recht tragische Geschichte einer jungen Frau die mit viel Willen und Geduld einen neuen Lebensabschnitt betreten möchte.  Neve war mal richtig dick. Sie hat eine lange Zeit eine sehr strenge Diät vollzogen und ist nun auf dem besten Weg eine wirklich tolle Figur zu bekommen. Aber durch die vielen fiesen Blicke und die Hänselleien in ihrer Schulzeit, ist Neves Selbstbewusstsein gegen null gesunken und so kann sie es einfach nicht glauben, wenn ihr ein Mann Komplimente macht oder man ihr sagt das sie schön ist. Neve sieht nur das was sie sehen möchte und das ist immer noch eine unattraktive und unförmige Frau. 

Doch Neve ist verliebt. Neve möchte mit ihrem besten  Freund William zusammen kommen, den sie seit ihrer Studienzeit in Oxford kennt. Doch William ist weg, weit weg und weiß nichts von Neves Abnehmplan. Doch bald wird William wieder zurückkehren, nach England und Neve möchte ihn nicht nur mit ihrer neuen Figur, sondern auch mit ihrer Erfahrung in punkto Männer überraschen. Nur hat sie diese leider nicht. Und gerade da kommt Max um die Ecke. Anfangs noch total abgeneigt von Max, zeigt sich dieser wirklich hartnäckig und schafft es dadurch auch in Neves Wohnung. Doch was dann dort geschieht hätte keiner von beiden gedacht. Ein reines Chaos der Gefühle – Max rennt davon als würde man ihm eine brennende Fackel an den Hintern halten und Neves Selbstbewusstsein ist von null auf mikronull gesunken.

Aber durch einen wundervollen Brief, Max hartnäckige Art und Neve die endlich lernt über ihren Schatten zu springen, beginnen beide eine ganz tolle „Pfannkuchen“ Beziehung. Was das ist? Das müsst ihr selbst herausfinden – einfach zu süß.  Gerade in dieser Zeit mit Max gewinnt Neve  geradezu an Selbstbewusstsein und durch Max vergisst sie ihr Gewicht  und ihr Aussehen und erlebt eine wundervolle Zeit ohne Kritik und Selbstvorwürfe. Neve lernt durch Max ihren Körper besser kennen, vergisst alle Diäten und gibt sich einfach der Liebe und dem Genuss hin. Zwischen den beiden wird es auch öfter mal richtig heiß und beide kommen tagelang nicht aus ihrem Bett. Doch neben all dem Spaß den Neve mit Max hat,  erkennt sie  nicht dass Max sie liebt und dass er am Boden zerstört ist wenn Neve immer wieder auf William zu sprechen kommt. Sie versucht sich für einen Mann zu ändern den sie sehr lange nicht mehr gesehen hat, registriert aber nicht, dass vor ihr ein Mann steht der sie so nimmt wie sie ist, ganz ohne Vorwürfe und einfach nur weil er ihre Seele und ihr inneres Ich liebt und kennen gelernt hat. Max schaut nicht auf ihre Äußerlichkeit, er gibt ihr das Gefühl wertvoll zu sein und das macht ihn unglaublich sympathisch.
Dabei ist Max eigentlich ein Casanova durch und durch. Er hat einen sehr hohen Frauenverschleiß und das lässt Neve ihn auch immer wieder wissen. Aber in Max schlummert etwas, etwas sehr weiches und gefühlvolles, dass nur allein Neve  kennen lernt und das lässt auch das Herz der Leser einfach höher schlagen. 

In diesem Buch geht es im Großen und Ganzen eigentlich nur um Neve. Neve die lernen muss sich endlich selbst zu lieben, ihre Selbstzweifel über Bord zu werden und zu erkennen dass es sich nicht lohnt für einen Mann alles zu ändern der 1000ende km entfernt lebt und den man eigentlich nur durch Briefe kennt.  Das Einzige was mich an diesem Buch wirklich nervte, waren die ständigen „Ich bin zu dick, zu schwabbelig, nein sieh mich nicht an, ich muss abnehmen, ich muss trainieren, ich bin hässlich“ Tiraden von Neve. Aber einerseits war dies auch wieder gut denn die gingen Max nämlich auch tierisch auf den Wecker. Er will nicht das Neve ständig ans Abnehmen denkt, er findet sie schön und wird richtig sauer als Neves Abnehmplan zur regelrechten Sucht ausartet.
Neben Neve und Max haben auch noch Neves Schwester, Bruder, dessen Frau und Neves Eltern ihren Auftritt. Allesamt sehr eigenwillig und doch unglaublich sympathisch. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, jeder ist sehr speziell und selbst Neves Schwägerin, die anfangs mehr als unsympathisch daher kommt, schafft es doch noch am Ende Mitleid und Sympathiepunkte zu ergattern.  Einfach eine schrecklich, nette Familie. 

Fazit: Wer jetzt denkt, ich hätte alles verraten …. Nein das habe ich nicht. Ich hätte noch 1000 Wörter schreiben können und hätte immer noch nicht alles verraten. Dieses Buch steckt nur so voll Überraschungen und Drehungen. Immer dann wenn man denkt, dass alles gut läuft, gerät alles wieder ins Wanken und eine ganz neue Perspektive eröffnet sich. Dieses Buch ist eine wahre Überraschung mit einer großen Portion Dramatik, Humor und der Gewissheit, dass es für jeden Menschen auf der Welt eine Person gibt, die einen so liebt wie man ist. 

Mehr Infos zum Buch:
Originaltitel: You don't have to say you love me
Aus dem Amerikanischen von Ursula C. Sturm

Deutsche Erstausgabe
Taschenbuch, Broschur, 608 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-453-40926-2
€ 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 14,90* (* empf. VK-Preis)
Verlag: Heyne

Kommentare:

  1. Oh das klingt richtig schön, vielen Dank für die tolle Rezi, ohne die hätte ich das Buch sicher nie entdeckt. Das kommt jetzt sofort auf meine Wunschliste!

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    1. Ohh toll, danke, das Buch ist wirklich ein kleines Highlight gewesen. Ich war wie gebannt von der Geschichte. Ich hoffe das es bald noch mehr Leserinnen findet die es genauso mögen wie ich.
      LG

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  2. Danke für diesen Tipp, ich glaube, ohne deine Rezi hätte das Buch wohl nie meine Aufmerksamkeit gewonnen.
    Zwischendrin beim Lesen dachte ich auch "Hm, jetzt verrät sie ja schon alles", aber wenn es eben nicht so ist, lasse ich mich gerne überraschen :-)

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    1. Nee bei 608 Seiten kann man nicht alles verraten, da gibt es wirklich noch viel zu entdecken und vorallem viele tolle, humorvolle und kritische Sezenen zu betrachten. Ich fand es wirklich schön und habe auch nur einen kleinen Teil der eigentlich sehr großen Geschichte angerissen. In der Beziehung von Max und Neve gibt es sooo viele kleine Details, die muss man einfach selbst lesen. Anfangs erscheint es etwas plump, doch dann wird was ganz großes und sehr nachdenkliches daraus ohne das es zu schmalzig wird. Probier es und sag mir wie du es fandest ;)

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