Dienstag, 1. Mai 2012

Der Duft von Erde und Zitronen - Margherita Oggero

Wie eine Gefangene lebt Imma in der Wohnung einer Tante hoch im Norden Italiens, weit weg von ihrem Heimatdorf bei Neapel. Die Dreizehnjährige ist in großer Gefahr, denn als der Sohn des Clanchefs sie zu vergewaltigen versuchte, schlug sie mit einem Stein zu. Jetzt soll sie dafür bezahlen. In der Einsamkeit der endlos scheinenden Tage wird Immas Wunsch nach Freiheit immer größer, bis sie sich schließlich stundenweise hinausschleichen kann und den jungen Buchhändler Paolo kennenlernt. Seine Bücher eröffnen ihr eine neue Welt und geben ihr den Mut, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Meine Meinung:
Das Buch, "Der Duft von Erde und Zitronen" ist eins der Bücher die mir nach dem Lesen noch lange Zeit nachhingen. Aber erst mal dazu wie ich überhaupt zu diesem Buch kam. Ich habe das Buch über Vorablesen entdeckt, das Cover gesehen und mich verliebt. Normalerweise würde ich nie nach so einem Buch ausschau halten, aber hier war es anders. Es hat mich in seinen Bann gezogen. Ich las die Inhaltsangabe und die kurze Leseprobe und es stand fest "DAS will ich". Ich hatte Glück und bekam es auch und kaum war es ausgepackt, habe ich mich ans lesen gemacht. 

Für mich hatte das Buch zwei Seiten. Eine Seite die mich sehr angesprochen hat und mit der ich auch sehr gut klar kam und eine andere Seite, die mir viel abverlangt hat und bei der ich mich doch sehr zusammenraufen musste. Einerseits entsteht hier eine wirklich tolle Geschichte, über eine nicht ganz perfekte Familie in Italien. Beim Lesen spüren wir die Sonnenstrahlen und fühlen bei jeder noch so kleinen Emotion voll und ganz mit, weil die Atmosphäre des Buches so greifbar ist. 

Andererseits jedoch haben mich ein paar Dinge sehr kritisch drein blicken lassen. Und das war die gewählte Erzählweise. Anfangs hatte ich wirklich meine Probleme. Wir erfahren die gesamte Geschichte aus der Sicht von Imma, die bei ihrer Tante leben muss, wie eine Gefangene. Bis ich dazu kam das dies Imma ist, dauerte etwas. Aber das war noch nicht das was mich die Zähnen knirschen lies. Es waren die extrem vielen Zeitsprünge. Normalerweise komme ich damit ziemlich gut klar aber wir springen nicht nur in den Zeiten von Immas Familie hin und her, sondern auch in den Zeiten einer anderen Familie (die spielt zwar auch eine wichtige Rolle, hätte man aber etwas runterbrechen können) und das verwirrt doch manchmal sehr. Dazu kommt, das die Kapitel auch nicht so gut gekennzeichnet sind. Würden Namen oben drüber stehen oder Familienwappen ect. hätte das, das Lesen für mich einfacher gestaltet. 

So nochmal zur Geschichte: Diese baut sich langsam auf. Wir erfahren viel über Immas Familie, über ihre Großeltern und ihre eigenen Eltern, über Freunde und Feinde und alle tragen eine kleine Schnur bei sich "so muss man sich das vorstellen" und bei jedem Kapitel das dazu kommt, werden diese Schnüre mehr und mehr miteinander verwoben und es entsteht ein Gesamtwerk. So etwas wie eine Familiendecke, die alle miteinander verbindet, einhüllt, beschützt oder versteckt. Dadurch wird dieses Buch sehr emotional und wir wollen mehr und mehr erfahren, mehr Details herauskitzeln und saugen jeden noch so kleinen Krümel in uns auf, nur um endlich den Kern der Geschichte erfassen zu können. 

Für mich ging es hier keineswegs um eine große Lovestory ala` Hollywood. Hier geht es in leisen Tönen zu, harmonisch und sehr gefühlvoll. Es entwickelt sich langsam und teilweise auch dramatisch. Hierbei braucht man keine extremen oder verzweifelt herbeigeführte romantische Momente. Alles an dieser Liebesgeschichte ist romantisch, vom ersten Blick, bis zum ersten Wort, bis zur ersten Berührung. 

Fazit:
Dieses Buch ist anfangs etwas verwirrend und es braucht Zeit und Ruhe. Man muss sich darauf einlassen können und es dann in jeder Zeile genießen. Diese Geschichte hat mich gefesselt, berührt und auch im Nachhinein noch sehr beschäftigt.

Zum Buch:
Originaltitel: L'ora di pietra
Originalverlag: Mondadori
Aus dem Italienischen von Peter Klöss


Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 320 Seiten, 12,5 x 20,0 cm
ISBN: 978-3-421-04553-9
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 28,50* (* empf. VK-Preis)
Verlag: DVA Belletristik

1 Kommentar:

  1. Mal wieder ein Buch, das ich zuvor nicht kannte. Eine sehr gelungene Rezi, die sich dem Inhalt des Buches anzupassen scheint. Die Metapher mit den Schnüren/der Familiendecke ist wirklich schön geworden. Das Buch wird zwar nicht sofort eingekauft, aber ich behalte es mal im Auge. Es scheint sich zu lohnen. Danke für den schön-beschriebenen-Tipp!

    Liebe Grüße
    Reni

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