Samstag, 5. Mai 2012

Der Nachtzirkus - Erin Morgenstern

Irritierend und faszinierend zugleich, 
wie eine perfekte Illusion.

Ich sage ja sonst nie was zum Cover oder zur Gestaltung, aber wenn ihr dieses Buch irgendwann mal in Händen halten solltet. Fasst es mal richtig an. Was ihr fühlen und entdecken werdet ist wirklich magisch.  

Er kommt ohne Ankündigung und hat nur bei Nacht geöffnet: der Cirque des Rêves – Zirkus der Träume. Um ein geheimnisvolles Freudenfeuer herum scharen sich fantastische Zelte, jedes eine Welt für sich, einzigartig und nie gesehen. Doch hinter den Kulissen findet der unerbittliche Wettbewerb zweier verfeindeter Magier statt. Sie bereiten ihre Kinder darauf vor, zu vollenden, was sie selber nie geschafft haben: den Kampf auf Leben und Tod zu entscheiden. Doch als Celia und Marco einander schließlich begegnen, geschieht, was nicht vorgesehen war: Sie verlieben sich rettungslos ineinander. Von ihren Vätern unlösbar an den Zirkus und ihren tödlichen Wettstreit gebunden, ringen sie verzweifelt um ihre Liebe, ihr Leben und eine traumhafte Welt, die für immer unterzugehen droht. 

Meine Meinung:
Dieses Buch habe ich wirklich mit gemischten Gefühlen gelesen. Einerseits war ich fasziniert vom Setting, dem Plot und der ganzen Geschichte an sich. Aber dann war ich wieder total verwirrt und das frustrierte mich und hemmte meinen Lesefluss. 
Aber fangen wir mit den guten Seiten des Buches an, die in meinen Augen deutlich überwiegen. Das gesamte Buch ist eine Illusion, von der ersten Seite an bekommen wir etwas gezeigt und vorgestellt, das man nicht greifen oder begreifen kann. Wir werden teilweise an der Nase herum geführt, bekommen perfekte Welten und Vorstellungen präsentiert, die aber nach wenigen Seiten wieder verschwinden und zu etwas ganz anderem werden. Es ist eine perfekte Illusion in Schrift und Wort und nicht in der Tat. Manchmal verschwimmen die Zusammenhänge, alles wird unfassbar, fast schon Substanzlos und wir verlieren uns in der Geschichte. Ich denke das auch genau dies so gewollt ist. Wir sollen nicht nur von der Magie lesen, sondern sie auch erleben und erfassen können und das ist bei auch genauso angekommen. 

Ich konnte mich mit der Magie die hier präsentiert wird anfreunden, auch wenn sie mich manchmal stutzig gemacht hat oder mir einen Schauer über den Rücken gejagt hat. 
Dann schauen wir uns doch mal die Protagonisten des Buches an. Im Vordergrund stehen zwei Magier, die sich einen Wettstreit liefern. Sie schrecken vor nichts zurück und kennen keine Gefühle. Das wird vorallem bei Celias Vater sehr deutlich, der nicht davor zurückschreckt seine eigene Tochter zu quälen, nur um ihre angeborenen Kräfte enorm zu steigern. Mir haben gerade diese beiden Männer ab und zu richtig Angst gemacht und ich wusste nicht woran ich bei ihnen bin. Sie waren meine Substanz die ich weder begreifen noch greifen konnte. Sie rannen mir durch die Finger wie Sand und das hat mich recht schnell aufhorchen lassen. 
Celia und Maro sind eigentlich nur Bälle in einem Spiel. Sie werden benutzt, wurden perfekt trainiert und können sich kaum dessen erwähren was mit ihnen geschieht. Ihre Leben sind, wenn man richtig darüber nachdenkt sehr dramatisch miteinander verwoben fast schon identisch und sie werden benutzt. Dabei sind beide Protas sehr sympathisch und ich habe mich immer sehr gefreut, wenn ich mehr von ihnen erfahren durfte. 

So dann kommen wir doch mal zu meinem einzigen kleinen Manko des Buches. Und das waren die vielen Zeitsprünge. Gerade am Anfang geht es hin und her in den Zeiten "zum Glück stehen über den Kapiteln Jahresdaten, sonst wäre ich völlig aufgeschmissen gewesen" und ob das noch nicht genug ist, auch noch zwischen den Protas geht es hin und her. Ich musste wirklich aufpassen beim Lesen und Ablenkungen waren nicht wirklich von Vorteil. 

Zum Schreib- bzw. Erzählstil kann ich nur sagen, dass er wirklich sehr gut passt. Wir erfahren alles aus einer sehr sachlichen und distanzierten Perspektive. Gefühle werden nur sehr sporadisch eingeflochten und auch nur an den Stellen wo sie wirklich erwünscht sind. Diese Emotionen werden dann auch gekonnt verpackt und mir kam es so vor, als wollte man die innerliche Kälte der Magier, durch den Erzählstil des Buches noch mehr hervorheben. Auch, dass hier mit Dialogen gespart wird, fand ich sehr erfrischend. Die Protas müssen nicht immer nur quasseln, es reichen auch gezielte und gut gesetzte kleine Gedankengänge. 

Fazit: Es ist kein Flop-Buch. Dieses Buch ist ein Top-Buch mit kleinen Mankos aber diese überwiegen nicht und deswegen empfehle ich es durchaus weiter. Denn die Geschichte hat mich berührt und mich mitfiebern lassen und das überwiegt mehr als verwirrende Zeitsprünge. Für mich zählt die Geschichte an sich und die ist wirklich gelungen.  



Zum Buch:
Übersetzung:   Aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakobeit
Originaltitel:   The Night Circus
gebunden mit Schutzumschlag
€ 19,99 [D], € 20,60 [A], sFr 27,90
ISBN-10: 3550088744
ISBN-13: 9783550088742
Verlag: Ullstein

1 Kommentar:

  1. Ich hab mir vorsorglich nur mal das Fazit durchgelesen, weil das Buch auch noch in meinem Regal steht und ich jetzt erstmal ohne bestimmte Erwartungen herangehen möchte. Aber das klingt doch echt gut und ich freue mich jetzt schon sehr auf das Buch!

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