Freitag, 14. September 2012

Rezension: Linna singt von Bettina Belitz



Seit fünf Jahren hat Linna sie nicht mehr gesehen: Maggie, Simon, Jules und Falk, die ehemaligen Mitglieder ihrer Band. Nun treffen sie sich in einer Hütte in den Bergen wieder, um für einen Auftritt zu proben.
Linna hatte eigentlich keinen Grund, Maggies Einladung zu folgen, denn was die anderen nicht wissen: Seit damals hat sie keinen Ton gesungen. Doch etwas treibt sie an, sich ihrem alten Leben zu stellen: die Erinnerung an eine Nacht mit Falk, dem Gitarristen. Linna muss sagen, was vor fünf Jahren unausgesprochen blieb, und sie muss hören, ob Falk eine Antwort hat.

Bald beginnt die von Anfang an gespannte Atmosphäre zu kippen: Was als zwangloses Wiedersehen geplant war, wird zum zermürbenden Psychospiel, bei dem Linna immer mehr als Lügnerin dasteht. Sie gerät in einen Strudel aus Verdächtigungen, Abhängigkeiten und tragischen Missverständnissen, der sie schließlich zwingt, die Erinnerung an vergangenen Schmerz zuzulassen. Denn dort liegt der Schlüssel zu allem: der Grund dafür, dass Linna nicht mehr singt.


Meine Meinung:
Diesmal weigere ich mich ja schon fast ein Buch in irgendeiner Weise ein zu stufen oder ihm eine Richtung zu geben, denn meine Gefühle die ich beim Lesen von „Linna singt“ hatte, kann ich und will ich auch gar nicht einordnen. Es geht einfach nicht. Da war so viel und von allem einfach eine so geballte Ladung voll, dass ich immer noch nicht genau weiß wo mir der Kopf steht. 

Dieses Buch hat eine wirklich sehr triste und fast schon düstere Stimmung. Aber sie passt, vielleicht passt sie aber auch genau nur zu dieser Art von Buch, denn viele Bücher haben eine eher aufgesetzt wirkende düsterer Stimmung. Dieses Buch hat diese Stimmung aber verinnerlicht, die Geschichte ist hoch melancholisch, trist, sehr emotional und vor allem traurig. Wie als hätte man dem Buch ein Taschentuch umgeschnallt und ihm befohlen alles raus zu heulen was geht. Viele würden jetzt schon gar nicht mehr weiter lesen oder das Buch als öde abschreiben aber das ist es nicht. Es ist eine kleine feine Mogelpackung bei der man immer auf alles gefasst sein muss. Denn hatte ich einmal angefangen zu lesen und mir eine kleine feine Meinung zurecht gelegt, die alles andere als positiv war wurde ich an einer mir anfangs nicht bekannten Ecke angehalten, mir wurde eine Gehirnwäsche vom feinsten verpasst und weiter ging es mit einem Hochgefühl der Extraklasse. 

Was viele nicht verstehen können ist, dass es Leser gibt die Bücher lieben in denen es um zwischenmenschliche Beziehungen geht oder die sich mit den Gefühlen der Protagonisten befassen. Es passiert innerhalb der Geschichte nicht wirklich etwas Spannendes oder abenteuerliches aber trotzdem reißt sie das Buch vom Hocker. Ich bin so eine Leserin. Für mich gibt es nichts Schöneres als wenn sich ein Autor oder wie in diesem Fall eine Autorin seitenlang nur mit Beziehungen, Gefühlen und Emotionen beschäftigt. Hier und da passiert etwas witziges, etwas trauriges oder etwas Unfassbares aber es passiert nichts Extremes oder Abenteuerhaltiges. Es bleibt ruhig, prägnant und bezieht sich auf die Menschen und deren Leben. 

Für mich lebt „Linna singt“ durch seine Sprache. Einerseits in manchen Dialogen etwas schroff und sehr kritisch, zeigt es sich doch in Beschreibungen und Erzählungen sehr emotional und feinfühlig. Ein Mix der aufhorchen lässt und der mich eine lange Zeit noch sehr geprägt hat und den ich in meinen neuen Lektüren regelrecht vermisst habe. 

Wer sich jetzt vielleicht wundert warum ich noch nichts zu den Charakteren geschrieben habe wird sich leider auch weiter wundern müssen, denn ich werde nichts Direktes zu ihnen schreiben. Denn in diesem Buch geht es eigentlich nur um die Charaktere und ich glaube ich würde euch in einer Beschreibung einfach viel zu viel vorweg nehmen, was das Lesen erst richtig spannend macht. Das wäre wie als würde ich euch in einer Krimirezension verraten wer der Mörder ist, ihr versteht.
 
Keine lange Rede: „Linna singt“ hat mich beeindruckt und ich möchte mehr von Frau Belitz lesen. Haben mich doch schon ihre ersten Bücher sehr beeindruckt so hat dieses Buch noch eine Schippe oben drauf gelegt. Ich bin begeistert und will mehr von diesen tollen, gefühlvollen, melancholischen Werken die nicht gerade leichte Kost, aber trotzdem so schön zum Lesen sind.


1. Auflage 2012 / 512 Seiten, 15.0 x 22.0 cm  / ISBN 978-3-8390-0139-4  / Hardcover  /18,95 € (D) / 19,50 € (A) / Verlag: Script5

Kommentare:

  1. Was eine tolle Rezension!
    Bisher hatte mich das Buch irgendwie nicht angesprochen, obwohl es genau meine "Sparte" zu sein scheint. Wird gleich auf den Wunschzettel gepackt. (Sicherlich auch genau richtig für die dunkleren Jahreszeiten.)

    LG Anni

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  2. Hab das Buch jetzt auch endlich da, freu mich schon auf die Leserunde mit Bettina Belitz im Büchertreff *michdavonabhaltschonmalindasBuchhineinzuschnuppern*

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  3. Irgendwann MUSS ich "Linna singt" auch mal lesen bzw. mir erst einmal anschaffen. Ich hebe es mir aber noch etwas auf, da ich meinen Geldbeutel momentan etwas schonen möchte/muss. Immerhin ist nächsten Monat die Frankfurter Buchmesse und da werde ich bestimmt wieder reichlich einkaufen - vielleicht ja dann auch dieses Büchlein hier. Klingt auf jeden Fall großartig was du schreibst.

    Liebe Grüße
    Reni

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