Mittwoch, 10. Oktober 2012

R: Noir von Jenny Mai- Nuyen

Rezension: Noir von Jenny Mai Nuyen



Nino Sorokin ist dabei, als der Unfall geschieht. Seine Eltern sterben, ihm bleibt eine besondere Gabe: Er sieht den Tod eines jeden ­Menschen voraus. Auch den eigenen. Von nun an ist er besessen von der Frage, wie man das Schicksal überlisten kann. Er weiß, er wird nur 24 Jahre alt – und sein Geburtstag rückt immer näher. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Ninos Suche führt ihn zu einem geheimen Zirkel von Mentoren, die Seelen sammeln. Und er begeht den größten Frevel, den der Zirkel kennt: Er verliebt sich in eine der Seelenlosen. In die geheimnisvolle Noir, die bereits auf der Schwelle zum Jenseits steht ... 





Meine Meinung:
 

Noir ist ein einzigartiges Buch. Es lässt Gefühle aufkommen und sie wieder verschwinden, es lässt den Leser zerbrechen und ihn sich wieder zusammensetzen. Es ist ruhig fast schon besinnlich und hypnotisierend und gleichzeitig schreit es aus jeder Seite einem entgegen und man muss sich die Ohren zu halten. Unbarmherzig werden wir durch die Seiten geführt, durch die Geschichte gezerrt und können uns nicht dem entgegensetzen was mit uns geschieht. Wir müssen weiterlesen, befinden uns in Trance und müssen wissen wie es weitergeht. Eine unwahrscheinliche Situation jagt die Nächste und nichts desto trotz befinden wir uns in einer uns nicht ganz unrealen, unwirklichen Welt, sondern wir befinden uns in einer Welt die wir gut kennen aber nicht wahrhaben wollen. 

Noir hat mich gefesselt. Anfangs wusste ich nicht wie ich mit der Geschichte und diesem Buch umgehen sollte. Erschienen mir doch die Sprache und seine Protagonisten etwas hart und fast schon erstickend unerträglich, so war ich doch von der Atmosphäre gefangen und konnte mich nicht entziehen. Ich musste lesen, aufsaugen und Wahrheiten finden. Mit jeder Zeile und jedem Wort rückte ich tiefer in die Geschichte ein und wurde so ein Teil von etwas Neuem und sehr Faszinierendem, sehr tödlichem. 

Vor Noir hatte ich noch kein Buch von Jenny Mai Nuyen gelesen, was ich jetzt auf jeden Fall wieder gut machen werde, denn hätte ich gewusst, wie wundervoll diese Frau schreiben kann, dann hätte ich all ihre Werke schon lägst verschlungen. Eine Sprache wie diese habe ich selten in einem Buch gefunden. Abgrundtief ehrlich und sehr poetisch, teilweise auch sehr trübsinnig und eher für regnerische Tage gedacht. Mein Spezialgebiet also und trotz der doch sehr harten Sprache hat diese auch wieder etwas sinnliches, etwas sehr weiches an sich, dass nur dann zu entdecken ist wenn es die Situation auch wirklich erfordert. Hier wird gespielt, mit Gefühlen, Emotionen und allem was dazu gehört und nicht nur die Emotionen der Protagonisten wird heraus gekitzelt sondern auch die der Leser. Ich wurde so mehr und mehr ein Teil der Geschichte und ehe ich mich versah war ich mitten drin und konnte mich nicht mehr vor den Geschehnissen zurückziehen. 

Drücke ich mich diesmal etwas kryptisch aus, so ist dies durchaus gewollt. Ihr sollt sehen mit was ihr es zu tun bekommt wenn ihr euch auf dieses Buch einlasst. Erwartet kein einfaches Buch oder ein Buch bei dem es um Romantik geht. Erwartet lieber nichts, lasst es einfach geschehen, denn dann werdet ihr umso mehr überrascht sein. 

Fazit: Geht auf die Reise mit Nino, geht auf die Reise mit dem Tod und erfahrt wie schnell ein Leben zersplittern kann wie Glas.


Rowohlt Polaris / Hardcover, 384 S. / 01.10.2012 / 14,95 € / 978-3-86252-028-2

1 Kommentar:

  1. Muss dir voll und ganz zustimmen ;) Das Buch vermittelt so viele Emotionen.. Man muss sich einfach fallen lassen.

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