Mittwoch, 4. September 2013

R: Du liebst mich nicht von Edeet Ravel


Entführt, gefangen ... verliebt?
Während eines Sommeraufenthaltes in Griechenland wird die Amerikanerin Chloe gekidnappt. Tag für Tag steht das einst selbstbewusste, lebensfrohe Mädchen nun Todesängste aus. Ihre Hilflosigkeit, die körperlichen Qualen durch einen der Entführer und die Einsamkeit treiben sie an den Rand des Wahnsinns. Zu Hause kämpft man für ihre Freilassung, doch hier gibt es nur einen, auf den sie sich verlassen kann. Nur einen, der ihr Überleben sichert. Einen, den sie wirklich liebt ... ihr Peiniger.
 
 
Meine Meinung: 
Cloes Geschichte hat mich direkt angesprochen und fasziniert. Ich wollte schon nach den ersten paar Seiten einfach alles erfahren und war manchmal sogar recht beleidigt, wenn die Autorin, da ein bisschen zu langsam für mich wurde. 
 
Cloe wird entführt und verschleppt, sie weiß nicht wo sie ist, sie weiß nicht wer sie entführt hat und sie weiß nicht WARUM! Und um das Warum geht es in diesem Buch immer wieder und dennoch mir nicht genug. Cloe ist wie ich finde ein wunderbarer Charakter und ich kann in jeder Zeile ihre Angst spüren und miterleben, dennoch hatte ich aber auch ständig einen komischen Beigeschmack auf der Zunge beim Lesen. Irgendwas störte mich und ich konnte nicht genau packen was es war. 
 
Die Dramatik der Geschichte liegt ganz klar im Vordergrund. Die Autorin möchte erreichen, dass die Leser fühlen können wie es Cloe ergeht, aber auch wie es ihrem Entführer ergeht und ihren Verwandten und Freunden, die in der Heimat alle Hebel in Bewegung setzen um Cloe wieder zu bekommen. Beim Entführer hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass er das alles gar nicht möchte. Er wirkt zu gut, zeigt sich Cloe direkt, versucht es ihr recht zu machen. Im Grunde der perfekte "Entführer" so denn man einen überhaupt haben möchte. Aber auch er bleibt für mich hinter Cloe im Dunkeln und kommt nicht so recht aus sich herraus. 
 
Die Geschichte der Liebesbeziehung zwischen Entführer und Opfer jedoch, wurde sehr schön eingeflochten und zeigte für mich den inneren Kampf von Cloes Gefühlen. Sie will ihren Peiniger nicht lieben, aber dennoch fühlt sie sich zu ihm hingezogen, projiziert ihre ganze Gefühlswelt, ihre Bedürfnisse auf ihn und sucht das, was ihr durch die Isolation verwehrt bleibt: Die Nähe und Liebe von anderen Menschen. 
Cloe beginnt sich an ihren Entführer zu binden und das wiederum mag im ersten Moment komisch und absurd wirken, dennoch muss man sich aber auch vor Augen führen, dass es dieses Symptom wirklich gibt und das schon sehr viele Entführungsopfer nach einiger Zeit eine Bindung zu ihrem Entführer aufgebaut haben. Sie fangen an zu vertrauen, zu lieben und schlussendlich geben sie auf oder resignieren einfach. Was Cloe gegen Ende des Buches tut, werde ich natürlich nicht verraten, ich für meinen Teil hätte mir kein besseres Ende wünschen können. Einerseits sehr fiktiv und nicht wirklich Realitätsah, aber andererseits passend für die Geschichte. 
 
Wie oben schon erwähnt, kam die Autorin für mich nicht schnell genug aus den Püschen. Das muss man so verstehen: Die Autorin lässt sich mit manchen Erklärungen einfach Zeit. Sie platzt nicht mit allem direkt raus, lässt Cloe stattdessen noch etwas zappeln und uns Leser gleich mit. Hier lässt sich darüber streiten ob das gut oder schlecht ist. Ich für meinen Teil mag einfach schnelle Erklärungen um mich dann voll und ganz auf den Rest konzentrieren zu können. 
 
Neben diesem kleinen Abzugspunkt, ziehe ich auch leider einen Punkt für die etwas farblos wirkenden Charaktere ab. Alle außer Cloe waren mir zu steril und einfach. Für diese gewaltige Geschichte, mit diesem ernsten Thema, hätte ich mir Charaktere gewünscht die die Geschichte mittragen können und nicht von ihr getragen werden müssen, wenn ihr versteht was ich meine. Hier gab es mir einfach zu wenig Kreativität und Einfallsreichtum. 

Was jedoch zum Schluss noch positiv zu bewerten ist, ist der Kampf um Cloe in ihrer Heimat. Kann man doch hier gut erkennen wie schnell Sorge in Kamerageilheit umschlagen kann und wie schnell es nicht mehr darum geht den geliebten Menschen wieder zu bekommen, sondern vor die Kamera, in die Presse usw. zu kommen. Diese Idee fand ich einfach supergut und passte sehr gut in die Gesamtgeschichte. 


Mehr zum Buch:
Originaltitel: Held Originalverlag: Annick
Aus dem Englischen von Anne Braun

Deutsche Erstausgabe
Ab 13 Jahren
Taschenbuch, Broschur, 320 Seiten, 12,5 x 18,3 cm
ISBN: 978-3-570-30829-5 € 8,99 [D] | € 9,30 [A] | CHF 13,50* (* empf. VK-Preis)
Verlag: cbt


Kommentare:

  1. Oh, das hört sich sehr gut an! :)
    Hab' das Buch heute bekommen und bin schon sehr gespannt! ^-^

    Lieben Gruß,
    Jessica

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  2. Vielen wird es wohl so ergangen sein, dass sie nicht abwarten können, wie sich die Geschichte weiter entwickelt. Daher sollte man einkalkulieren, dass man das Buch so schnell nicht wieder aus der Hand legen will.

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