Mittwoch, 27. Juli 2016

Leseflaute? Ist der Mainstream schuld?





Folgendes Bild spielt sich hier gerade ab:
 
Ich sitze auf meinem Bett, vor mir ein  gut gefülltes Bücherregal, zig neue völlig ungelesene Bücher rufen nach mir, ungefähr zehn Bücher liegen um mich herum verstreut auf dem Bett und heulen sich die Seele aus dem Leib weil ich sie nicht weitergelesen habe.
Ja könnten Bücher weinen, meine würden es im Moment wirklich tun. Sie würden weinen weil sie mich:

  1.   Schon nach wenigen Kapiteln nicht mehr begeistern konnten.
  2. Mir die Geschichte vorkommt als hätte ich sie gefühlt schon 100 mal genauso gelesen.
  3. Mich die Protagonisten mit ihrem Egoismus tierisch nerven.


Ja ich steuere geradewegs auf eine riesige Leseflaute zu und ich kann nichts dagegen unternehmen außer Bücher zu lesen die ich schon kenne und bei denen ich keine Angst vor einer Enttäuschung haben muss.

Denn genau das ist es was viele der neuen Bücher bei mir bewirken. Sie enttäuschen mich, denn ich finde in ihnen nichts Neues mehr. Greife ich mir einen „New Adult, Young Adult oder Contemporary Romance“ Roman  (oder welch tolle Namen die alle haben ) handeln sie alle nach dem gleichen Schema F und ich kann nach dem ersten Kapitel meistens schon genau vorhersagen wie das Buch weitergehen bzw. sogar enden wird. LANGWEILIG !!! Warum lässt sich keiner mehr was Neues einfallen? Sogar bei meinen Lieblingsautorinnen läuft mittlerweile alles nach dem gleichen altbewährten Schema ab. Bloß nicht abweichen, bloß die Masse nicht enttäuschen, bloß nichts Neues wagen sonst könnte es ja nicht mehr gekauft werden. So kommt es zumindest bei mir an. Wie bei der großen „50 Shades of Grey“ Welle die uns alle überrauschte und danach alle erotischen Bücher dem gleichen Schema folgten um bloß mit der breiten Masse mitschwimmen zu können und die Leser nicht zu verkraulen.

Ja ich bin wahrscheinlich nicht die Richtige die meckern darf, da ich ja etliche Romane dieser Genres gelesen habe und diese Genres auch wirklich liebe. Aber gerade weil ich wahrscheinlich so viele Bücher dieser Genres gelesen habe, fällt es mir mittlerweile so extrem auf, dass es da nicht mehr wirklich was Neues gibt. Als ich vor ein paar Wochen „Until Friday Night“ von Abbi Glines beendet habe, war ich das erste Mal seit langem mal wieder richtig glücklich. Gefühle ohne Ende, eine Geschichte mit viel Herzschmerz und vor allem eine kontinuierliche Mischung aus Drama und Romantik im gesamten Geschichtsverlauf und nicht alles ans Ende gepackt und dann zehn Seiten später ist alles Friede, Freude, Eierkuchen und die Geschichte ist zu Ende. Viele kritisieren dieses Buch und die meisten kritisieren es weil es nicht nach Schema F abläuft sondern sich endlich mal etwas aus der Masse heraus zu heben versucht.

Und genau das ist es, dass Schema F. Mädchen und Junge haben Probleme, laufen davor weg, verlieben sich aber dennoch ineinander, haben eine schöne Zeit, dann kommt ein bisschen sexyschmexy und Ringelpietz mit anfassen, dann kommt der große Knall und alles heult und schluchzt und zehn Seiten später liegen sie sich wieder in den Armen. Meistens gibt’s dann ne Hochzeit im Epilog oder es  wird schnell noch einmal Ringelpietz mit Anfassen eingeschoben.

Und so sind diese Bücher fast zu 99% alle aufgebaut. Und diese wenigen Perlen zu finden die aus der Masse herausragen, ist gar nicht so einfach, weil sie meistens nicht von den großen gehypten Autorinnen geschrieben wurden und so meistens nur unter dem Ladentisch gehandelt werden oder ganz hinten im Regal stehen um ja Platz für die Mainstream Bücher zu machen auf die sich das große Publikum stürzen soll.

Und so ist es meiner Meinung nach mit jedem Genre. Bist du nicht Shades of Grey genug….ab unter den Tisch mit dir oder in die Schmuddelecke. Bist du nicht Game of Thrones genug….ab ins unterste Regal oder es wird erst gar nicht bestellt. So erging es mir erst kürzlich als ich einen erotischen Roman von Sandra Henke in unserem Thalia suchte. Vor gut einem Jahr standen ihre Bücher in genau dem gleichen Regal wie Shades of Grey und Co. Jetzt wurde mir gesagt, ich soll doch mal in der Ecke der Erotika nachschauen…. (Man sollte dazu wissen, dass diese Ecke ungefähr nur ein halber Regalboden groß ist und sich unter den esoterischen Fachbüchern befindet und es dort wirklich fast nur Erotika und Sexualselbsthilfebücher gibt) …. Denn O-Ton der Verkäuferin: Sandra Henke wäre ja nicht mit Shades of Grey zu vergleichen und gehöre daher nicht in den Bereich für Junge Erwachsene! Also wurden ihre „ 2 Bücher“ die der Buchladen führte direkt mal verbannt. Weg von der breiten Masse, hin zu den wenigen verirrten Seelen, die wie ich einfach nur mal Erotische Literatur ohne den ständigen Touch von Christian Grey lesen wollen. Was für eine verquere Welt…..

Ich nutze das Wort Mainstream weil es meiner Meinung nach mittlerweile einfach genauso auch ist. Es ist ein Massengeschmack, der von den Verlagshäusern/ Autoren aufgegriffen und gefördert wird und ja sie haben ja auch Recht damit, denn sie verdienen ja auch immerhin ihr Geld damit. Aber was mich so extrem stört  ist, dass teilweise noch nicht einmal versucht wird aus der Masse heraus zu brechen und vielleicht Türen für Neues/ Unbekanntes zu öffnen.  Die wiederrum neue Leser anlocken würden, die sich wie ich nach Frischfleisch verzehren und inständig darum beten endlich wieder Freude dabei zu empfinden wenn sie einen New Adult, Young Adult o.ä. Roman in die Hände nehmen.

Ich werde weiterhin diese Bücher kaufen und versuchen zu lesen, einfach in der Hoffnung endlich wieder eine unentdeckte Perle zu finden die mich begeistert und mich aus dieser miesen Flaute heraus reißt. Denn auch wenn ich gemeckert habe, sind diese Genres einfach immer noch meine Lieblingsgenres und viele meiner liebsten Bücher sind dieser breiten Masse entsprungen aber ich will und kann die Hoffnung nicht aufgeben – vielleicht werde ich ja ganz bald belohnt. Wer weiß :D Und ich bleibe auch weiterhin ein Teil dieser Mainstream Gesellschaft (also für alle die mich jetzt angreifen wollen, ich greife mich mit diesem Text gerade auch selbst an und weiß das) - denn auch dort gibt es trotzdem hin und wieder tolles zu entdecken.

Ich weiß das ich gemeckert habe und vielleicht nicht die Meinung aller damit teile oder vielleicht auch hier und da anecke aber ich wollte einfach einmal mitteilen, was mich jetzt schon seit etwas längerer Zeit beschäftigt und hoffe, dass es vielleicht ja hier und da einen von euch gibt der diese Meinung mit mir teilt.




Kommentare:

  1. Hey,
    ich sehe es genauso wie du! Mir geht's auch so, dass ich denke alles schon zu kennen. Ich finde es sehr gut, das mal jemand seine Meinung sagt!
    Liebe Grüße,
    Chrissi :)

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  2. Sehr toll geschrieben! Konnte mich voll mit deinen Worten identifizieren. Suche auch(bis jetzt eher vergeblich) nach Highlight Büchern, dieses Jahr( die Hälfte ist ja leider auch schon rum) habe ich erst eines entdecken können, sehr enttäuschende Ausbeute. Ich gebe aber nicht auf, einige vielversprechende Schätze habe ich noch vor mir und hoffe stark, dass mich noch ein paar von ihnen überraschen können. Super Post!

    Liebe Grüße

    Melissa (@melissabooklover)

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  4. Liebe Jessi!

    Ein schöner und mutiger Artikel, und das Thema beschäftigt im Moment ja viele Leserinnen. Ich bin jetzt nur in einer ganz blöden Situation. Ich bin selbst eine der wenigen Autorinnen, die gegen den Mainstream anschreiben und ich stehe in regem Kontakt mit einigen wenigen Kolleginnen, denen es so geht wie mir: Wir versuchen, frischen Wind in die Literatur zu bringen und vollkommen andere Themen aufzugreifen. Aber wir machen leider immer wieder die Erfahrung, dass wir als Autorinnen in Buchblogs nicht gern gesehen sind. Unsere Beiträge zum Thema werden direkt als unverschämte Eigenwerbung empfunden. Wir wollen uns wirklich niemandem aufdrängen oder als Trittbrettfahrer die Reichweite anderer Blogger ausnutzen. Ich unterstelle dir auch keineswegs, dass du so denkst, ich kenne dich ja gar nicht. Ich habe nur das Bedürfnis, dir mein Gefühl mitzuteilen, weil ich mich (auch als Leserin von Büchern) in deinem Artikel so schön wiederfinde. Vielleicht verstehst du, was ich meine. Das Klima ist im Moment einfach ein bisschen schwierig und ich wünsche mir, dass Autoren und Buchblogger wieder offen ihre gemeinsame Leidenschaft diskutieren können. Wir würden nämlich oft zu gern mitreden, trauen uns aber nicht, weil wir nicht rüberkommen wollen wie egomanische Werbe-Zombies. Schwierig. Falls du eine Idee hast, wie Bücher und Leser am Mainstream vorbei zusammenkommen können, ohne dass Nischenautoren sich fühlen wie lästige Staubsaugervertreter, würde nicht nur ich mich riesig freuen. Wir hätten alle etwas davon, da bin ich ganz sicher, nämlich mehr Vielfalt am Buchmarkt. Aber mir fällt gerade auf: Ich werde selbst einen Artikel zum Thema schreiben müssen! :D
    Ich werde dann aber auf jeden Fall auf deinen schönen Blog hier verlinken. Networking ist alles! :-)

    Liebe Grüße, Sookie

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  5. Hallöchen :)

    Einen echt tollen Text hast du da verfasst! Ich lese auch gerne nach dem Schema F und hab auch hier einige (sehr viele) Bücher nach diesem Prinzip. Aber ich weiß was du meinst wenn du sagst, dass du einfach keine Lust mehr groß empfindest, wenn du ein Buch liest. Das merke ich bei mir leider auch gerade ;/ Ich versuche es gerade mit einem neuen Genre aber irgendwie springt der Funke nicht über.
    Ich wünschte ich würde wieder einmal ein tolles Buch lesen das zwar das Schema F hat, aber mit einer neuen und aufregenderen Idee als diese 0815 Dinger...

    Ich finde es echt schade, wie manche Buchhandlungen einfach das, was sich am besten verkauft nur noch ausstellen aber so läuft unsere Gesellschaft. Vor allem aus wirtschaftlicher Sicht geht man kein Risiko ein und wenn die Nachfrage nach diesem Schundbuch (Shades of Gray oder wie meine Mutter sagt, Shits of the Gray) so beliebt ist, dann wird das halt am meisten ausgehängt. Mit dem geht man ein geringeres Risiko ein und hat so neue und mehr Kunden.

    Liebe Grüße


    Alisia

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  6. Liebe Jessi,

    ich habe Sookie versprochen, auch was zu schreiben. Aber warum sollte ich mich wiederholen? Ihr beide habt so ziemlich alles gesagt, was es zu diesem Thema momentan traurigerweise zu schreiben gibt. Wobei; hm. Eine Sache fällt mir da noch auf... Ich habe (ohne, dass das jetzt wie Eigenwerbung aussehen soll) viele Bloggerinnen angeschrieben, als ich mein Debüt veröffentlicht habe und bin größtenteils auf taube Ohren gestoßen, weil ich via SP mein Buch vermarkte. Die Gründe waren sehr unterschiedlich, das Desinteresse aber gleich. In meiner Leserunde bin ich aber auf sehr aufmerksame und (jetzt) glückliche Leserinnen gestoßen und habe viel positives Feedback bekommen. Ich frage mich, woher der Lesefrust bei so vielen Bloggern rührt- versteh mich bitte nicht falsch. Das soll kein Angriff sein, ich wüsste nur gern, wie du die Titel aussuchst, die du liest, was dich triggert und wie du dir einen Eindruck vom Buch verschaffst. Wäre schade, wenn es bei dir so weiterginge :(

    Märchenhafte Grüße,
    Larissa

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