Samstag, 15. Oktober 2016

Fantasy trifft auf Märchen >> Die silberne Königin << von Katharina Seck


Silberglanz ist eine beschauliche Stadt in einer winterlichen Welt. Doch die Schönheit der von glitzerndem Schnee bedeckten Landschaft ist trügerisch. Seit Jahrzehnten ist das Land im ewigen Winter gefangen, es droht unter den Schneemassen zu ersticken. Alles ändert sich, als die 24-jährige Emma in die Chocolaterie von Madame Weltfremd kommt und diese ihr ein Märchen erzählt, das Märchen der silbernen Königin. Denn darin verborgen liegt die Wahrheit - über den Winterfluch, über den kaltherzigen König und über Emma selbst-
  • Verlag: Bastei Lübbe
  • Genre: Fantasy & Science Fiction / Fantasy
  • Seitenzahl: 368
  • Ersterscheinung: 14.10.2016
  • ISBN: 9783404208623







Meine Meinung

Emma lebt im Land Glanzvoll in der Stadt Silberglanz, eingeschlossen im ewigen Eis. Sie führt ein ärmliches Leben, ihre Mutter und ihre Großeltern sind gestorben und ihr Vater hat sich abgeschottet seit Emma denken kann. Eines Tages geschieht ein einschneidendes Erlebnis und Emma beschließt alles anders zu machen und ihr Leben komplett um zu krempeln. Sie sucht sich eine neue Arbeit und landet im Schokoladengeschäft von Madame Weltfremd. Madame Weltfremd stellt aber nicht nur Schokolade her, sie ist auch eine Märchenerzählerin vom Feinsten und schafft es jedes Mal die Bewohner von Silberglanz in ihren Bann zu ziehen und alles vergessen zu lassen. Doch was niemand ahnt, dass Märchen der silbernen Königin hat mehr mit der realen Welt in Silberglanz zu tun als gedacht. Nur Emma erkennt die vielen Parallelen und versucht das Rätsel zu lösen.

Ab da beginnt der eigentliche wirklich spannende Teil des Buches. Aber schon der Anfang hatte mich direkt gepackt. Das Märchen das Madame Weltfremd dort anstimmt, hat so viel Atmosphäre und Raum für fantastische Ideen, dass man einfach weiterlesen muss. Dazu kommt, dass Madame Weltfremd eine grandiose Geschichtenerzählerin ist. Sie fesselt ihre Zuhörer vom ersten Wort an, baut eine Atmosphäre auf, der sich niemand entziehen kann und beeindruckt mit einer Wortwahl, die ich so noch nie gelesen habe. Wäre Madame Weltfremd eine reale Person, würden ihr sämtliche Autoren und Drehbuchautoren zu Füßen liegen.

Aber zurück zur Geschichte. Die Story scheint anfangs ziemlich einfach. Eine Welt verborgen unter ewigem Eis und ein Mädchen das versuchen möchte das größte Rätsel der Geschichte zu lösen. Doch so einfach wie alles erscheint ist es nicht und so stolpern wir Leser zusammen mit Emma in eine Welt in der Märchen, Realität und Fantasie miteinander verschmelzen. Ich würde dieses Buch daher als eine gekonnte Paarung aus Märchen und Fantasy beschreiben. Beide Elemente werden stilsicher und gekonnt eingesetzt und verschmelzen zu einem großen Ganzen zusammen, dessen roter Faden gekonnt gezogen und niemals unterbrochen wurde.

Die Autorin des Buches schafft es außerdem den Winter in all seiner Pracht und Perfektion gekonnt einzufangen. Mir war tatsächlich kalt beim Lesen. Ich konnte den Winter riechen, förmlich den Schnee spüren und das Eis schmecken. Immer wenn ich dieses Buch zur Hand nahm, brauchte ich meine dicken Wollsocken und eine gute Tasse Tee um dieses realistische Wintergefühl, dass mir dieses Buch vermittelte auch absolut auskosten zu können.

Die Charaktere des Buches würde ich anfangs als Statisten in einem Märchen bezeichnen. Sie sind da und warten förmlich darauf geformt und befüllt zu werden. Vor allem Emma war mir nicht von Anfang an sympathisch. Ich musste erst mit ihr warm werden und herausfinden wie sie tickt und was ich von ihr zu erwarten habe. Schön war jedoch zu sehen wie sie sich im Laufe der Geschichte entwickelt, wie sie stärker und raffinierter wird und das sie sich für das einsetzt was ihr lieb und teuer ist. In dem Moment in dem Emmas Weg ins Schloss des “bösen Königs” führt, wurde für mich Emma greifbarer. Sie wird stärker und ihre Beziehung zum König war für mich hier nur noch das Tüpfelchen auf dem I.

Der “böse König” von Silberglanz, war für mich anfangs wirklich nur böse. Ein anderes Wort hatte ich am Anfang wirklich nicht. Er ist undurchsichtig, gibt sich Wortkarg und herrisch und war einfach nur unsympathisch ohne Ende. Das Einzige was ihn sympathischer werden lies, war sein Hunger nach Märchen. Emma beginnt damit ihm ein Märchen zu erzählen und rettet sich damit durch die Tage am Schloss. Das hatte für mich etwas von 1001 Nacht, was ich ganz nett fand, da es gut verpackt wurde. Nach und nach passiert etwas mit dem König und seinem Land und auch Emma wird offener und empfänglicher für den König und seine Persönlichkeit.

Da ich nicht zu viel verraten möchte, werde ich hier nichts über das Märchen schreiben, dass Emma erzählt und auch nichts darüber wie es Emma im Schloss ergeht, wie sich die Welt verändert und wie das Ende aussieht. Das sollt ihr schön selbst herausfinden und genauso viel Freude an diesem Buch haben wie ich sie hatte.

Ich möchte nur noch abschließend erwähnen, dass ich meinen Hut vor der Autorin ziehe. Das Gespür dafür Märchen mit einer komplett neuen und fantastischen Geschichte zu verweben, habe ich in dieser Art noch nicht gesehen. Auch fand ich den Schreibstil einfach nur grandios. Es gehört schon viel Schreibkunst dazu Jahreszeiten so zu beschreiben, dass die Leser sie beim Lesen wirklich spüren können. Oder Charakteren so viel Leben ein zu hauchen, dass man das Gefühl hat, sie würden direkt neben mir sitzen und mir ihre Geschichte höchst persönlich vortragen. Ein ganz großes Talent und eine tolle Autorin von der ich ganz bald noch mehr lesen möchte.



Kommentare:

  1. Das klingt nach einer total schönen Fanasygeschichte! Ich mag Charaktere, die sich weiter entwickeln und Ecken und Kanten haben. Danke für die schöne Rezension!

    Hab noch ein schönes restliches Wochenende :-)

    Liebe Grüße,
    Mo

    http://mo-schneyder.blogspot.de/

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  2. Hallo Jessi ;-)
    Auch dieses Buch steht (neben dem zweiten Teil von Elias&Laia) bei mir noch aus. Zum Glück habe ich es schon im Haus, denn nach deiner Rezi habe ich richtig Lust darauf.
    Liebe Grüße, Hibi

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